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11. Aug, 2018

Ich heiße Claudia Mech, bin 48 Jahre alt und wohne seit eh und je in Nordrhein-Westfalen.

In einem Dorf am Rande der niederländischen Grenze lebe ich ein Leben der Mittelschicht mit meinem Mann und unseren beiden Töchtern. Wir haben ganz normale Probleme: Rechnungen, die uns über den Kopf wachsen, ein Haushalt, der nicht immer zu bändigen ist, Kinder, die irgendwie nicht aus der Pubertät kommen wollen und Nachbarn, die es einem nicht immer leicht machen. Nebenbei beherberge ich eine Reihe von Haustieren, liebevoll „unseren Zoo“ genannt. Drei Katzen, zwei Landschildkröten, zwei Wellensittiche, zwei Nymphensittiche, ein recht frecher Grünwangenrotschwanzsittich, fünf Degus und ein kleines Aquarium mit ein paar Fischen fühlen sich offensichtlich wohl bei uns. Die meisten Tiere sind von den Kindern. Allerdings bin ich gespannt, ob diese auch wirklich mit ausziehen, wenn die Mädchen mal flügge werden. Die Hauptarbeit liegt jedenfalls jetzt schon bei mir.

Ich bin gelernte Arzthelferin und vormittags in einer Arztpraxis im Nebenort tätig. Da arbeite ich noch nicht sehr lange, zuvor war ich in einem Krankenhaus in Vollzeit tätig. Leider wurde das Haus geschlossen und eine Schar von medizinischen Angestellten wurde auf einen Schlag arbeitslos. Es dauerte eine Weile, bis ich wieder im Berufsleben stand, aber eben nur halbtags, was sich natürlich auch finanziell auswirkt. Deshalb habe ich nun noch eine geringfügige Tätigkeit angenommen, Spülhilfe in einer Metzgerei, abends nach Ladenschluss. Meine Interessen sind breit gefächert. Ich liebe zum Beispiel die Natur, vor allem die Insektenwelt. Vor ein paar Jahren habe ich Schmetterlinge gezüchtet, ein tolles Hobby, dass ich irgendwann wegen  Zeitmangel aufgegeben habe, dem ich aber immer noch nachtrauere. Mal sehen, vielleicht fang ich es wieder an. Hier geht es darum, aktiven Tierschutz zu betreiben, denn ein Großteil der Raupen, die in der Natur aufwachsen, schafft es nicht bis zum fertigen Schmetterling. Sie werden von Vögeln gefressen, von Parasiten befallen oder finden nicht die richtige Futterpflanze und verhungern. Bei der Zucht bringt man nahezu alle Raupen durch. Und ich sage euch, es ist ein tolles Gefühl, eine ganze Truppe von frisch geschlüpften Tagpfauenaugen in die Freiheit zu entlassen. Ein weiteres Hobby ist die Musik. Nein, ich singe nicht! Ich spiele Trompete im hiesigen Musikverein. Okay, ich bin kein Ausnahmetalent, aber ich habe eine Menge Spaß dabei! Tja… und dann bin ich noch Autorin. Keine berühmte Schriftstellerin, aber ich schreibe gern für mich, für andere und dichte auch schon mal auf Anfrage zu Geburtstagen oder Goldhochzeiten.


 

Ein schwarzes Kapitel in meinem Leben liegt in meiner Kindheit. Als ich 12 Jahre alt war wurde ich von meinem Großvater mit viel Hinterlist und schmeichelnden Worten verführt. Anders kann man es nicht nennen, es war keine Gewalt im Spiel. Er ging über die Liebe, und bis ich erkannte, dass das, was da geschah nichts mit Liebe zu tun hatte, steckte ich auch schon mittendrin in der Geschichte. Ich fand keinen Ausweg. Schlimmer noch: ich fand niemandem, dem ich mich anvertraute. Noch schlimmer: ich war sicher, ich sei Schuld!

Und da sind wir auch schon bei meinem Buch "Mit Liebe hat das nichts zu tun!"; in das ich Euch hier in meinem Blog in Kürze einen Einblick gewähre möchte.

 

10. Aug, 2018
... Nach dem Frühstück wollte ich endlich an den Strand.
Mutti und Vati lächelten verständnisvoll. Wir packten unsere Badesachen in eine große Umhängetasche und gingen los. Die Straße zum Strand hinunter war steil, und ich wäre am liebsten gerannt. Aber mir war jetzt schon viel zu warm. Die Sonne knallte unerbittlich. Meine Vorfreude auf das Meer war riesig.
„Schaut euch die Wellen an!“, rief ich begeistert, als wir den Strand betraten. 
„Hier ist es aber voll!“, meinte Mutti mit einem nicht ganz so fröhlichen Unterton.
Das stimmte. Obwohl es noch nicht Mittag war, herrschte am Strand das selbe rege Treiben, das uns schon gestern aufgefallen war. Wir ergatterten drei klapprige Liegestühle und stellten sie nebeneinander unter einen der Strohschirme, die wie eine aufgestellte Armee auf dem Strand standen. Wir legten unsere Badetücher auf die Liegen, und ich zog meine Sachen aus. Den Badeanzug hatte ich drunter.
Mutti stand auf, guckte sich um und sagte: „Da hinten gibt’s Umkleidekabinen, ich zieh mir mal meinen Badeanzug an.“
Vati lachte und zündete sich eine Zigarette an. „Den hättest du doch auch unter deine Klamotten anziehen können.“
„Ja, ja!“, antwortete sie und stapfte schwerfällig durch den weichen Sand davon.
„Komm, ich creme dich ein“, sagte Vati und sein Blick folgte zwei hübschen Mädchen, die mit Tangas bekleidet Hand in Hand an uns vorbei gingen.
„Ja, danke!“
Bereitwillig hielt ich ihm den Rücken hin. Die Flasche machte ein lustiges, furzartiges Geräusch, und Vati begann meine Schultern mit der Sonnenmilch einzureiben. Er hielt die Zigarette im Mund, massierte mit beiden Händen Nacken, Oberarme und Rücken, hob sogar die Träger an. Er schmierte auch meinen Hals und mein Dekolleté ein, und wie zufällig glitten seine Hände unter meinen Badeanzug auf meine Brüste.
Mit einer Sekunde Verzögerung merkte ich, was da passierte.
„Vati!“ rief ich entrüstet aus und machte einen Satz nach vorne, drehte mich zu ihm um und schaute ihn entsetzt an. Die Art, wie er mich ansah - fast drohend - machte mir Angst.
„Willst du da etwa einen Sonnenbrand kriegen? Unterschätze nicht die spanische Sonne!“, sagte er barsch ohne die Zigarette aus dem Mund zu nehmen, während er mich an meiner Schulter packte und mich zu sich zurückzog.
Ich war ziemlich sicher, dass der Stoff des Badeanzugs mich vor der Sonneneinstrahlung schützen würde, aber Vati widersprechen? Wie versteinert ließ ich ihn gewähren. Ich hatte schon begonnen, mich zu entwickeln. Meine Brüste hatten zwar das A-Körbchen gerade erst überschritten, aber ich war für meine zwölf Jahre keineswegs flach. Ich spürte seine schwieligen Handflächen auf meinen Brüsten und lauschte seinen geräuschvollen Atemzügen. Mit seinen Fingerspitzen rieb er besonders intensiv meine kleinen Brustwarzen ein. Er zwirbelte sie regelrecht, dass es sogar ein wenig schmerzte. Steif und wortlos ohne jegliche Emotion starrte ich aufs Meer, während er hinter mir stand. Keiner der anderen Badegäste beachtete uns. Erst als Mutti zurückkam, widmete er sich meinen Beinen.
„Ah, hast du Stef schon eingecremt?“, rief sie uns fröhlich zu.
„Ja, ja.“, antwortete ich, ihm zuvorkommend. Wie mechanisch lief ich ins Meer.
Das Wasser war wärmer, als ich gedacht hatte. Ich hockte mich hin. Unter Wasser, abgeschirmt von den Blicken der anderen Schwimmer, rieb ich mir meine Brüste ab. Ich wollte sie reinwaschen, fühlte mich schmutzig und verstand zugleich die Welt nicht mehr, war völlig verwirrt. Eine einzelne Träne lief mir über die rechte Wange. Ich liebte Vati sehr, aber das konnte nicht richtig sein. Hatte ich mir das alles eingebildet und die UV-Strahlen der Sonne konnten wirklich den Stoff durchdringen? So musste es sein. Ich versuchte die Gedanken abzuschütteln. Langsam schwamm ich herum und hielt nach Fischen Ausschau. Mutti und Vati kamen nicht ins Wasser. Prüfend warf ich einen Blick auf den Strand. Mutti packte gerade ihr Strickzeug aus, und Vati saß in seinem Liegestuhl und beobachtete die anderen Badegäste. Aus der Ferne sah ich ihn zufrieden lächeln...
9. Aug, 2018
8. Aug, 2018

Heute geht es mir gut!

All das Erlebte und die abschreckenden Bilder sind mir in Erinnerung geblieben, aber sie sind nicht allgegenwärtig -sie beherrschen mich nicht. Selbst dann nicht, wenn ich mit meinem Mann intim werde. Irgendwie habe ich gelernt, diese Erinnerungen wegzusperren. Es ist mir durchaus möglich, sie kurzfristig freizulassen und immer dann, wenn ich darüber spreche was mein Großvater mit mir angestellt hat. Aber vergessen ist gar nichts.

Ich kann nicht erklären, wie das möglich ist. Aber ich bin glücklich darüber. Ich lese soviel Leid anderer Betroffenen, die trotz jahrelanger Therapien keinen Fortschritt machen und teilweise nicht in der Lage sind, Liebe zuzulassen. Das tut mir immer sehr leid und geht mir sehr nahe. Ich wünschte, ich hätte ein Geheimrezept, um anderen helfen zu können. Liebe zulassen finde ich persönlich wichtig. Schon oft habe ich gelesen, dass es unerlässlich sei, dem Täter zu verzeihen. Dies wäre ein bedeutender Schritt in der Heilung. Daran stören mich zwei Dinge: Erstens das Verzeihen, zweitens das Wort Heilung. Ich habe meinem Großvater nicht verziehen. Bin ich nun krank? Ist man automatisch krank, wenn die Seele einen Knacks erlitten hat? Muss man geheilt werden? Vielleicht bin ich jetzt total auf dem Holzweg. Ich spreche hier nur von meinen Empfindungen. Ich hab mich auch in der Zeit nach dem Missbrauch nie krank gefühlt. Natürlich habe ich zu dem Zeitpunkt meine Gedanken nicht so einfach ausblenden können. Kleinste Gegebenheiten im Alltag - ein küssendes Pärchen oder triggernde Worte, wie zum Beispiel „Schnobbel“, was meine Mutter zum Glück fast nie sagte - riefen sofort die Erinnerungen ab. Wie ein Film spulten sich Szenen vor mir ab und liessen mich für die Menschen um mich herum abwesend wirken. Selbst in der Schule kam es vor, dass ich im Unterricht irgendetwas hörte, was mich in diesen Zustand fallen liess. Da war der Unterricht erst mal für mich gelaufen. Da aber niemand zu diesem Zeitpunkt involviert war, hatte kein Lehrer Verständnis für meine unaufmerksamen Phasen. Zum Glück passierte das nicht allzuoft und meine Noten blieben ganz passabel. Mit 16 lernte ich den 4 Jahre älteren Bernd kennen. Er war mein erster Freund und blieb auch der einzige. Relativ früh öffnete ich mich ihm und erzählte ihm grob, was passiert war. Bernd hatte vor mir schon eine Freundin gehabt und war mit ihr auch intim. Diese Erfahrungen hatte ich ja nun nur mit meinem Großvater gemacht. Möglich, dass er Ekel empfand an dieser Vorstellung oder er hatte einfach Angst, dass ich sensibel reagieren würde. Er machte jedenfalls keine Annäherungsversuche. Es blieb bei Küssen und Haare verwuscheln. Dies ging mir nach gut 8 Monaten, die wir zusammen waren dann doch irgendwann gewaltig auf die Nerven und ich begann beim Kuscheln seine Hand zu lenken. Möglich, dass er genau darauf gewartet hatte. Es entwickelte sich von diesem Tage an eine sexuelle Bindung, die sich langsam, aber stetig steigerte über Petting bis hin zur endgültigen Vereinigung. Er machte es gut, gefühlvoll und genau in dem Tempo, dass ich brauchte. Ich rechne es ihm hoch an, so lange abstinent gewesen zu sein. Es ist gut möglich, dass Bernd mit seinen zurückhaltenden Begierden dazu beigetragen hat, dass ich den Schritt in ein normales Leben gehen konnte. Der richtige Partner ist sicher kein unwesentlicher Faktor. Er gibt mir heute noch Halt. Mittlerweile hatten wir schon Silberhochzeit. Eines ist jedoch geblieben. Er möchte nichts Genaues wissen.

Auch, wenn es mich ein bisschen enttäuscht, mein Buch hat er nie gelesen.